Ikigai-Modell: Wie du dein Business-Mojo findest

von | Mai 8, 2023

Den Sinn des Lebens finden, mehr Erfüllung in Job und Alltag, mehr Lebensqualität – das verspricht das Ikigai-Modell. Doch funktioniert das wirklich? Dieser Artikel erklärt, was Ikigai ist, wie das Modell typischerweise verstanden wird und wie Unternehmer:innen es als Reflexionsrahmen nutzen können – inklusive Anleitung, Vorlage und Test.

1. Das Wichtigste auf einen Blick

Mit dem Ikigai-Modell zur mehr Erfüllung und Balance im Job
  • Das Ikigai-Modell kommt aus Japan und heißt übersetzt so viel wie „Lebenswert“.
  • Westlich interpretiert verbirgt sich dahinter die Suche nach dem persönlichen Sinn des Lebens.
  • Dafür stellen sich Menschen vier Fragen und setzen sich mit diesen intensiv auseinander, um der eigenen Erfüllung näher zu kommen.
  • Wichtig dabei ist, sich nicht in der Suche nach dem Perfekten und ewigen Glück zu verlieren. Hochs und Tiefs gehören auch bei einem erfüllten Leben dazu.
  • Und auch, sich weiterzubilden, zu lernen, etwas zu verändern und sich zu entwickeln.

2. Was ist Ikigai und die Ikigai-Methode?

Das Ikigai-Modell stammt aus Japan. Es setzt sich aus den den Begriffen „iki“ (Leben) und „gai“ (Wert) zusammen und wird häufig mit „Lebenssinn“ übersetzt. Dahinter steht die Suche nach dem Grund, der einen jeden Tag (erfüllt) aufstehen lässt.

Um darauf eine Antwort zu finden, empfehlen die Begründer sich intensiv folgenden Bereichen zu widmen. So würde man herausfinden, welche Tätigkeiten einen wirklich glücklich machen – und welche davon, auf Nachfrage treffen:

  1. Tätigkeiten, in denen ich aufgehe
  2. Tätigkeiten, in denen ich großartig bin
  3. Dinge, die die Welt von mir braucht
  4. Dinge, mit denen ich Geld verdienen könnte

Wo liegt die Überschneidung? Dein Ikigai

  • Schnittmenge aus 1 und 2 ist deine Leidenschaft.
  • Schnittmenge aus 2 und 4 ist deine perfekte Arbeit bzw. dein bester Job.
  • Schnittmenge aus 1 und 3 ist deine Mission bzw. deine Aufgabe im Leben.
  • Schnittmenge aus 3 und 4 ist deine Berufung.

Das große Ziel des Ikigai-Modells ist es, eine Tätigkeit zu finden, die alle vier Bereiche einschließt. Wenn du nämlich einen außer acht lässt, kann es sein, dass du z. B. Erfüllung in deinem Leben empfindest, aber kein Geld verdienst. Oder aber viel Geld verdienst, aber eine innere Leere verspürst.

3. Das Ikigai-Modell – die Nachteile und worauf du achten solltest

Die eigene Bestimmung finden, glücklich sein – mit dem Leben und dem Job. Für viele ist das ein zentraler Wunsch – privat wie beruflich.

Eine Auseinandersetzung mit Sinnfragen kann hilfreich sein – wichtig ist jedoch, dass die Suche nicht zum zusätzlichen Stress wird. Gleichzeitig sollte diese Suche nach der puren Erfüllung nicht zum Stressor werden. Denn das pure Glück gibt es in unserem schnelllebigen Alltag leider nicht; Hochs und Tiefs gehören dazu. Denn vor allem aus Herausforderungen können wir wachsen und etwas lernen, das uns wirklich weiterbringt.

Und noch mehr: Während unserer Recherche sind wir auf eine wichtige Information zum Thema Ikigai gestoßen. Anders als in vielen Ratgebern dargestellt, hat die Methode gar keine so lange Tradition und ist auch nicht fest in der japanischen Kultur verankert. Sie sei erst in den 60ern entstanden, eine Zeit, in der die Menschen eine Entfremdung erlebt haben, schreibt der Stern im Gespräch mit dem Japanologen Christian Tagsold.

Deshalb sind angeblich tief verankerte Lebensphilosophien mit Vorsicht zu genießen bzw. einer ordentlichen Portion Realismus.

Modelle und Methoden können helfen, ins Handeln zu kommen und sich mit dem zu beschäftigen, was man wirklich will – und was einen daran hindert. Das ist immer eine gute Sache. Aber sie sind nicht DAS Allheilmittel. Genau dann können solche Hypes nämlich ordentlich Druck erzeugen, und Versagensgefühle. Vor allem, wenn wir es einfach nicht schaffen, unsere Bestimmung zu finden oder vor lauter Suchen am eigentlichen Sinn vorbeirennen.

Einordnung: Was Ikigai leisten kann – und was nicht

Der Ikigai-Ansatz ist wertvoll – vor allem als Reflexionshilfe. Er kann dabei unterstützen, eigene Stärken, Interessen, Werte und mögliche berufliche Wege klarer zu sehen und bewusster zu entscheiden.

Gleichzeitig ist Ikigai kein „Allheilmittel“ und keine Garantie für dauerhafte Erfüllung. Rahmenbedingungen (z. B. Lebensphase, finanzielle Verantwortung, Gesundheit, familiäre Situation) und persönliche Erfahrungen spielen eine genauso große Rolle. Deshalb lohnt sich ein realistischer Blick: Ikigai kann Impulse geben, Richtung sichtbar machen und Denk- und Handlungsspielräume erweitern – ersetzt aber nicht die konkrete Umsetzung im Alltag und die regelmäßige Überprüfung, ob das, was man tut, noch stimmig ist.

4. Ikigai-Modell Anleitung: Wie funktioniert Ikigai für Unternehmer?

Um dem eigenen Lebenssinn auf die Spur zu kommen, empfehlen die Autorinnen und Autoren sich vier Fragen zu stellen.

Die vier Leitfragen lassen sich auch auf den Unternehmenskontext übertragen. Sie können helfen, Entscheidungen zu prüfen und die Positionierung zu schärfen.

  • Schritte zu überprüfen,
  • dir Entscheidungen erleichtern oder
  • deine Positionierung nochmal genauer unter die Lupe zu nehmen und ggf. anzupassen.

Nimm dir für die Beantwortung ausreichend Zeit und widme dich diesen Fragen in einem geschützten, inspirierenden Raum in gelöster Stimmung. Brainwriting kann eine in diesem Zusammenhang sehr sinnvoll sein, den eigenen Ideen ungefiltert und intuitiv auf den Grund zu gehen. Also ohne hemmende Glaubenssätze.

Lies dazu auch unbedingt diesen Artikel: Erfolgs-Mindset ändern – wie du endlich deine großen Ziele erreichst

Wichtig zu wissen

  • Stelle dir die Fragen immer wieder und überlege nicht zu lange mit deinen Antworten, sondern schreibe alles auf, was dir in den Sinn kommt.
  • Schließe NICHTS aus, sondern lass dein Bauchgefühl übernehmen. Bestimmte Fähigkeiten kannst du ja z. B. auch (im Team) entwickeln.
  • Die Anwendung braucht Zeit – und Geduld. Im Grunde ist der Suche nach dem Lebenssinn eine Lebensaufgabe. Jeder Anfang ist gut und wichtig, jeder Schritt in die richtige Richtung wertvoll. Warte also nicht, bis du die perfekten Antworten gefunden hast, sondern gehe los und probiere aus.

Das Ikigai-Modell für Unternehmer:innen

Unser Ikigai bildet die Schnittmenge aus den Antworten folgender Fragen:

Das Ikigai-Modell für Unternehmer
  • Was liebst du? Was ist deine Leidenschaft?
  • Worin bist du großartig? Was kannst du gut?
  • Welchen Wert könntest du schaffen? Was ist dein (gesellschaftlicher) Beitrag?
  • Wofür könntest du bezahlt werden? Wo besteht eine Nachfrage?

1. Was liebst du? (Deine Leidenschaft)

Wobei wird dir nie langweilig? Was hast du bereits als Kind gern gemacht, ohne die Begeisterung darüber zu verlieren? Worüber könntest du dich stundenlang unterhalten? Was inspiriert dich nachhaltig? Wozu könntest du ewig recherchieren, ohne müde zu werden?

2. Was kannst du bzw. worin bist du sehr gut? (Deine Stärken)

Worin bist du ausgebildet? Was ist dein Beruf bzw. deine derzeitige Arbeit? Welche Tätigkeiten fallen dir leicht? Welche (Experten-) Kenntnisse hast du? Was kannst du besser als andere bzw. was wird dir immer wieder gesagt, worin du richtig gut bist?

3. Was kannst du der Welt geben? (Mission)

Was sind deine Werte, die du gern weitergeben möchtest? Wobei kannst du helfen? Was würdest du gern verändern? Welche Probleme möchtest du lösen? Was erscheint dir sinnvoll?

4. Wofür zahlen die Menschen? (Nachfrage)

Was ist dein bisheriger Beruf bzw. dein Produkt? Womit könntest du ggf. noch Geld verdienen? Wo siehst du vielleicht sogar eine Marktlücke, wenn du deine bisherigen Antworten anschaust? Wofür könntest du richtig gut bezahlt werden?

Praxisbeispiele: So kann die Methode im Business-Kontext helfen

Im Unternehmenskontext kann Ikigai als Reflexionsrahmen dienen, um Entscheidungen zu strukturieren – etwa bei Neuausrichtung, Produktideen oder Rollenklärung. Beispiele:

  • Neuausrichtung: Wenn eine Idee zwar marktlich attraktiv wirkt, aber nicht zu den eigenen Stärken oder Werten passt.
  • Optionen bewerten: Wenn mehrere Ansätze möglich sind und priorisiert werden soll (Schnittmenge aus Kompetenz, Nachfrage und Sinn).
  • Veränderungsphase: Wenn die aktuelle Tätigkeit „funktioniert“, aber langfristig wenig Energie gibt – und Alternativen gesucht werden.

Das Ikigai-Modell als Grafik und was es aussagt

Wie bereits erläutert, könnte die Schnittmenge aus diesen vier Bereichen dich deinem Ikigai näher bringen bzw. dir zu mehr Erfüllung im Alltag verhelfen, schlichtweg weil du konformer mit deinen Leidenschaften und Werten agierst. Du weißt, die Betonung liegt auf „könnte“. Vielleicht hilft dir die Auseinandersetzung mit den Fragen, bestimmte Schritte zu hinterfragen und eine gewisse, dir mir entsprechende Richtung einzuschlagen.

Generell kann man das Ikigai-Modell auch so interpretieren, dass alle Bereiche in deinem Leben weitestgehend in Balance sein sollten. Disbalance herrscht, wenn du z. B.

  • zwar Erfüllung fühlst, aber nicht genug Geld verdienst. (Du gehst deiner Leidenschaft nach, aber niemand bezahlt dafür.)
  • komfortabel lebst und arbeitest, dich aber innerlich leer fühlst (Du machst, was du gut kannst und wofür die Menschen zahlen (Berufung); missachtest aber deine Leidenschaften und Werte).

5. Ikigai Test

Es gibt mittlerweile viele Bücher und Webseiten, die sich mit dem Ikigai-Modell beschäftigen. Ein schönes Buch, um sich mit der Methode vertraut zu machen und sich mit dem persönlichen „Why“ zu beschäftigen (inklusive Anleitung) findest du auf Amazon.

Ikigai Buch Tipp mit Anleitung
Buch-Tipp zum Thema Ikigai mit Anleitung für Unternehmer:innen. Quelle: Amazon

Einen Online-Test findest du hier. Bei diesem geht es eher um eine wertvolle, persönlichen Reflexion, die dich schnell näher zu deinen Leidenschaften bringen kann – und dir aufzeigt, was du in den letzten Wochen oder Jahren vielleicht aus dem Blick verloren hast. Unserer Erfahrungen geht es genau darum:

6. Fazit: Ikigai als Kompass

Das Ikigai-Modell kann eine starke Methode sein, um mehr Klarheit über das eigene „Warum“ zu gewinnen – und um bewusster zu entscheiden, wie Arbeit und Leben gestaltet werden sollen. Besonders hilfreich ist der Ansatz, weil er vier Perspektiven zusammenführt: Leidenschaft, Stärken, Beitrag und Nachfrage. Wer diese Bereiche ehrlich betrachtet, erkennt oft schnell, wo gerade Unbalance entsteht – und an welchen Stellschrauben sich zuerst drehen lässt.

Wichtig ist dabei die Haltung: Ikigai ist kein Ziel, das man „ein für alle Mal“ findet. Es ist eher ein Prozess, der sich verändert – je nach Lebensphase, Prioritäten und Erfahrungen. Genau deshalb funktioniert Ikigai dann am besten, wenn es nicht als perfekte Antwort verstanden wird, sondern als regelmäßige Standortbestimmung: Was passt noch? Was fehlt? Was darf mehr Raum bekommen – und was weniger?

Wenn Ikigai so genutzt wird, entsteht kein zusätzlicher Leistungsdruck, sondern Orientierung. Schon kleine Anpassungen (z. B. mehr Zeit für Stärken, klarere Grenzen, bewusstere Projekte) können spürbar mehr Energie und Sinn erzeugen. Und wer die eigenen Antworten in Abständen überprüft, sorgt dafür, dass der eingeschlagene Weg nicht nur logisch wirkt, sondern sich auch im Alltag stimmig anfühlt.

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