Walt Disney Methode (Coaching): umsetzbare Ideen entwickeln

von | März 3, 2022

Ihr braucht dringend handfeste Ideen? Meetings und Brainstormings produzieren zu viel heiße Luft? Denkblockaden hindern euch am Vorankommen? Die Walt Disney Methode hilft, die Kreativität im Team wieder anzukurbeln. Gerade für CEOs und Gründer:innen ist das ein praktischer Hebel, um Ideen schneller zu bewerten und in tragfähige Entscheidungen zu übersetzen. Alles über die Kreativitätstechnik, Anleitung für dein Team, Vor- und Nachteile und Alternativen.

 

Mach´s wie Walt Disney und hol dir einen spielerischen Angang ins Business.

1. Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Walt Disney Methode ist nach dem berühmten Trickfilmzeichner und Produzenten benannt.
  • Sie hilft, innovative Ideen zu entwickeln und Lösungen auf Herz und Nieren zu prüfen.
  • Durch unterschiedliche Rollen nähert man sich dem Problem aus verschiedenen Blickwinkeln.
  • Im Team oder allein als Führungskraft anwendbar.
  • Vor- und Nachteile geben sich die Klinke in die Hand.
  • Alternativen und Tricks schaffen Abhilfe.

2. Definition: Was ist die Walt Disney Methode?

Mickey Maus, Donald Duck oder Dumbo – wenn Walt Disney für eins steht, dann für faszinierende Welten, die Kinder und Erwachsene auf der ganzen Welt verzaubern. Welten, die in seinem Kopf entstanden sind.

Gerade wenn´s um Kreativität geht, macht dem berühmten Trickfilmzeichner und Produzenten so schnell keiner was vor. Nicht umsonst nutzen erfolgreiche Unternehmen die nach ihm benannte Methode, um gute, umsetzbare Ideen zu produzierenvor allem, wenn sie bei einem bestimmten Schritt nicht weiterkommen und das obligatorische Brainstorming nicht hilft. (Statt klassischem Brainstorming kann Brainwriting hier oft die bessere Wahl sein.)

Denn ganz ehrlich: Nur wenig ist schwieriger, als auf Knopfdruck, am besten noch am späten Nachmittag, handfeste Lösungen entwickeln zu wollen.

Geistesblitze? Fehlanzeige! Vor allem nicht, wenn Uhrzeit und Müdigkeit im Nacken sitzen.

Da muss schon ein Spiel her, um den Kopf freizupusten und die Kreativität anzukurbeln! Und wieder Leichtigkeit in den Prozess zu bekommen.

Walt Disney Methode Erklärung

Bei der Walt Disney Methode, auch Disney Method oder Walt-Disney-Strategie genannt, versetzen sich die Team-Mitglieder in unterschiedliche Charaktere, um ein Problem aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten – und nicht in der eigenen Perspektive zu verharren.

Man könnte die Kreativitätstechnik demnach auch als unternehmerisches Rollenspiel bezeichnen, Spaß inklusive! Vorausgesetzt natürlich, die Teilnehmer:innen mögen Rollenspiele.

Entstehung der Walt Disney Methode

Walt Disney hat die Methode entwickelt und benutzt, so behaupten es jedenfalls die einen. Dafür setzte er sich angeblich auf drei verschiedene Stühle, die des Träumers, des Realisten und des Kritikers, um seine von Erfolg gekrönten Ideen zu durchdenken. Andere meinen, dass Walt Disney gar keine bestimmte Technik gehabt hätte, sondern die drei Rollen einfach in seinem Kopf durchspielte.

So oder so: Verfeinert und an die Öffentlichkeit gebracht hat die Methode eh Robert Dilts, der Mitbegründer des Neuro-Linguistischen Programmierens (NLP), in den 90er Jahren.

Einsatzgebiete der Walt Disney Methode

Im Grunde könnt ihr die Technik für alle Themen nutzen, bei denen ihr neue Lösungsansätze braucht wie Kommunikation/Marketing, Produktentwicklung oder Teamführung. Probiert es einfach aus!

Warum das für Führung so gut funktioniert: Die Methode trennt bewusst, was in Meetings oft vermischt wird – Ideen (Träumer), Umsetzung (Realist) und Risiken (Kritiker). So verhindert ihr, dass gute Ansätze zu früh zerredet werden – oder dass ihr euch in Euphorie verrennt.

Und so geht´s:

3. Anleitung: Ablauf der Walt Disney Methode

Bei der Walt Disney Methode schlüpfen die Teammitglieder nacheinander in verschiedene Rollen:

  1. Träumer (Ideen, visionär): Ohne Wenn und Aber darf hier rumgesponnen werden. Der Träumer entwickelt große, verrückte Ideen – selbst wenn sie überhaupt nicht funktionieren würden! Motto: Alles ist erlaubt!
  2. Realist/Planer (Fakten, pragmatisch): Wie lassen sich die Ideen konkret umsetzen? Was braucht es dafür? Wie hoch sind die Kosten? Das beantwortet der Realist. Er kritisiert nicht, sondern denkt optimistisch. Er ist ein „Macher“!
  3. Kritiker (Kritik, hinterfragend): Jetzt darf so jemand mal so richtig den Miesepeter spielen, aber bitte trotzdem konstruktiv; er oder sie prüft die Ideen genau, und nimmt vor allem auch Herausforderungen, Risiken oder Probleme in den Blick. Es geht dabei nicht darum, die Ideen zu vernichten, sondern zu analysieren, damit im nächsten Schritt über Verbesserungen nachgedacht werden kann.

Bei Rolle 3 ist allerdings nicht Schluss, das wäre ja kontraproduktiv. Jetzt geht´s erst so richtig los: Der Träumer beginnt wieder zu fantasieren, erzählt, wie er den Einwänden des Kritikers entgegenkommen würde. Der Realist findet Wege der Umsetzung, der Kritiker weist alle in die Schranken usw. Das geht solange, bis der Kritiker nichts mehr zu sagen hat. Der Clue dabei: Jede:r übernimmt alle Rollen. Dazu komme ich gleich.

Wichtig: Zwischen jeder Phase unbedingt eine kurze Pause machen, um den Kopf durchzupusten.

Dauer des Rollenspiels

Jede Phase, also jede Rolle sollte nicht länger als 20 Minuten dauern. Schluss ist, wenn ihr das Gefühl habt: „Jetzt ist die Idee gut und von allen Seiten beleuchtet. Damit können wir weiter arbeiten!“

Gruppengröße

Am besten funktioniert die Methode in kleinen Gruppen von maximal 6 Personen – lieber weniger. So bleibt die Diskussion fokussiert und Entscheidungen werden schneller.

Ablauf Walt Disney Methode

  1. Beschreibt das Problem möglichst genau.
  2. Stellt das perfekte Team zusammen (z. B. verschiedene Stärken und Bereiche).
  3. Jetzt begebt euch alle in die Traum-Phase: Wie sähe die beste Zukunft aus? Was wünscht ihr euch? Was wäre völlig verrückt? Und was nahezu perfekt?
  4. Wählt eine Idee aus, die ihr am besten findet bzw. die am besten zum Unternehmen passt. (Ihr könnt euch später auch noch um eine weitere Idee kümmern.)
  5. Nun geht ihr in die Rolle des Realisten: Stellt euch vor, die Idee wäre bereits in trockenen Tüchern und soll nun umgesetzt werden: Welche Zutaten braucht es? Wer kann sich kümmern? Wie viel würde das kosten?
  6. Werdet zum Buhmann oder auch Realitäts-Checker: An was wurde nicht gedacht? Wo liegen die Stolpersteine und Schwachstellen? Nehmt Idee und Umsetzung auseinander, ohne die Idee zu begraben!
  7. Mit diesen ersten Resultaten geht ihr wieder in die Traumphase usw.
  8. Ihr seid am Ende angelangt, wenn sich die Lösung für euch gut anfühlt und der Kritiker nichts mehr zu sagen hat.

Kreativität anzukurbeln

Rollenspiele gefallen nicht jede:m. Folgende Tricks können helfen:

  • Für jede Phase einen anderen Raum: Dekoriert den Traum-Raum bunt und wild, geht raus ins Freie oder ins Café; im Realisten-Raum dient ein aufgeräumter Schreibtisch der Recherche und der Kritiker-Raum bleibt am besten möglichst clean. Auch ausgedruckte Bilder können helfen, sich in die Situationen hineinzuversetzen.
  • Nicht unterbrechen! Lasst euch unbedingt aussprechen.
  • In der Rolle bleiben: Bleibt für die jeweils 20 Minuten in eurer Rolle – und schlüpft nicht schon in die nächste Phase. Im Traumland darf nicht kritisiert oder hinterfragt werden, genauso wenig wie im Realismus.
  • Denkblockaden lösen: In den ersten zehn Minuten kann es helfen, erst einmal still und allein für sich zu arbeiten (Brainwriting). Das erleichtert den Einstieg ins Spiel – und reduziert typische Kreativitätsblockaden.
  • Ein neutraler Moderator kann dabei unterstützen.
  • Diversität in der Gruppe ist wichtig: Wenn alle eh gleich denken, könnt ihr euch das Ganze leider gleich sparen.

4. Walt Disney Methode und ihre Vor- und Nachteile

Vorteile der Walt Disney Methode

  • Große Ideen spinnen, gleich die Fakten und Ressourcen durchleuchten und all das kritisch hinterfragen – mit der Walt Disney Methode geht ihr weiter als bei anderen Kreativitätstechniken.
  • Für viele Mitarbeiter:innen ist diese Methode eine willkommene Abwechslung zu schnöden Meetings oder Brainstorming-Marathons.
  • Die Methode nutzt Gruppendynamik und Schwarmintelligenz – und damit die Ideen vieler.
  • Der Aufwand ist recht gering.
  • Aus einem Traum können umsetzbare Lösungen werden.
  • Alle Aspekte werden wahrgenommen, nicht nur die positiven oder die kritischen.

Nachteile der Walt Disney Methode

  • Rollenspiele sind nichts für jede:n!
  • Es kann gut sein, dass es Menschen im Team schwer fällt, die unterschiedlichen Perspektiven einzunehmen. Hilfreich ist eine flexible Rollenverteilung: Wer mag, übernimmt nur eine oder zwei Rollen und wählt diese selbst – so gelingt Eigenverantwortung und Kreation oft am besten.
  • Viele haben verlernt „einfach so“ zu träumen, und brauchen Einstimmung oder einen Rahmen.
  • Es ist schwierig, out of the box zu denken, wenn sich ein Team bereits lange mit dem Problem beschäftigt hat. Ein guter Hebel ist frische Perspektive: Holt Menschen dazu, die bislang nicht an der Lösung gearbeitet haben.
  • Nicht den letzten Schritt vergessen: Ideen bewerten, in einen Plan gießen – sonst bleibt der Traum ein Luftschloss.
  • Unbedingt die Zeit begrenzen.
  • Die Walt Disney Methode wird auch für Einzelpersonen empfohlen. Ausprobieren kann man das, dabei geht jedoch die Gruppendynamik verloren.

5. Fazit: Die Walt Disney Methode macht Ideen entscheidbar – und umsetzbar

Die Walt Disney Methode ist mehr als ein Kreativspiel: Sie ist ein Entscheidungs- und Umsetzungsformat. Statt endloser Diskussionen führt sie euch strukturiert durch drei Perspektiven – Vision (Träumer), Machbarkeit (Realist) und Risiko (Kritiker). So entstehen Ideen, die nicht nur inspirieren, sondern auch belastbar sind.

Gerade für CEOs und Gründer:innen liegt der Nutzen darin, Kreativität „führbar“ zu machen: Ihr schafft einen Rahmen, in dem Teams groß denken dürfen, ohne den Realitätscheck zu verlieren – und in dem Kritik nicht blockiert, sondern Qualität erhöht.

Wichtig ist der letzte Schritt: Sichert den Output. Beendet den Workshop nicht mit „guter Stimmung“, sondern mit:

  • einer priorisierten Idee (oder 1–2),

  • klaren nächsten Schritten (Wer macht was bis wann?),

  • einem kurzen Realitätscheck (Budget, Ressourcen, Risiken),

  • und einem Termin für die erste Review-Schleife.

Und noch ein Bonus: Mehr Raum für Spiel, Spaß und Flow fördert nicht nur Kreativität, sondern oft auch die Mitarbeiterzufriedenheit. Die Herausforderung ist weniger das „Ideen finden“ – sondern die passende Form zu wählen, damit unterschiedliche Persönlichkeiten (Träumer, Macher, Kritiker) wirklich beitragen können.

So wird aus einer Idee ein Plan – und aus einem Plan echte Umsetzung.

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