Vorteile und Nachteile Selbstständigkeit: Unternehmer:innen erzählen

von | Feb. 1, 2024

Selbstständig machen oder nicht? Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Die einen lieben es, für die anderen wäre das eine Horrorvorstellung. Fakt ist: Es gibt nur individuelle Antworten. Ein Wegweiser und alles zu „Vorteile und Nachteile der Selbstständigkeit“ als Überblick – inklusive Tipps.

Vorteile und Nachteile der Selbstständigkeit sind vielfältig
Arbeiten im Urlaub und von Überall? Auch das ist Selbstständigkeit. Kann Spaß machen. Oder Stress bedeuten.

1. Vom Mythos des ewigen Nichtstuns

Das ganze Jahr über Reisen, die meiste Zeit am Strand, wahlweise mit Barista-Art oder Cocktail in der Hand. Nur dann arbeiten, wenn man inspiriert ist – aber eigentlich vor allem weniger arbeiten, nicht so hart.

Spätestens seit Timothy Ferriss „4 Stunden Woche“ bekommt das digitale Nomadentum einen riesigen Aufschwung. Das Netz ist voller Sprüche á la „Lebe deinen Traum von absoluter Freiheit“, viele folgen – und sind nach einigen Monaten ziemlich ernüchtert. Oder ausgebrannt. Oder beides.

Meist ist – jedenfalls zu Beginn der Selbstständigkeit – nämlich folgendes der Fall: Viele arbeiten – gerade am Anfang – mehr als in der Festanstellung. Der Unterschied: Wenn´s gut läuft, arbeiten wir „freiwillig“, innerlich angetrieben, sind motiviert und inspiriert. Und meist eben auch flexibel in unserer Arbeitsweise und -Zeit.

Wenn man so will, ist das ja schon Freiheit. Dann zu arbeiten, wann wir es wollen. Die eigenen Träume und Visionen verwirklichen. Und eben auch phasenweise (längere) Pausen einzuplanen. Dann kann sie schon mal Alltag sein, die vier Stunden Woche. Jedenfalls nach einer intensiven Phase, und für eine gewisse Zeit. Das erfordert aber eine gute Planung.

Träume leben – und trotzdem arbeiten

Der Wunsch nach Freiheit, Flexibilität und „Arbeiten von überall“ ist für viele ein starkes Motiv, sich selbstständig zu machen. Gleichzeitig wird dabei oft unterschätzt: Auch die Selbstständigkeit besteht nicht nur aus Inspiration und schönen Momenten, sondern zu einem großen Teil aus Verantwortung, Planung, Entscheidungen – und ganz normaler Arbeit.

Gerade am Anfang wird häufig mehr gearbeitet als in einer Festanstellung. Der Unterschied: Viele empfinden es als leichter, weil sie stärker selbst bestimmen können, wann, wie und wofür sie arbeiten. Trotzdem bleibt die Aufgabe, Strukturen zu schaffen, den Alltag zu organisieren und eine gute Balance zu finden – ohne dass jemand von außen den Rahmen vorgibt.

Was „schwerer“ wiegt – Vorteile oder Nachteile – ist am Ende sehr individuell. Oft hilft vor allem eins: realistisch hinschauen und Schritt für Schritt testen, was wirklich passt. Deshalb fließen in diesen Artikel nicht nur allgemeine Erkenntnisse und typischen Erfahrungen ein, sondern auch verschiedene Perspektiven – damit ein möglichst vielschichtiger Überblick entsteht.

2. Welche Vorteile und Nachteile hat die Selbstständigkeit?

Ich möchte vorab noch das Thema Freiberuflichkeit anschneiden. Denn die Entscheidung, ob wir ein Unternehmen gründen oder freiberuflich tätig sind, kann sich schon unterscheiden.

Vorteile und Nachteile der Selbstständigkeit als Freiberufler

Freiberufler sind Personen, die in der Regel in kreativen, intellektuellen oder wissensbasierten Berufen tätig sind und ihre Dienstleistungen auf selbstständiger Basis anbieten. Typische Beispiele für Bereiche sind:

  • Design
  • Schriftstellerei, Autoren und Autorinnen
  • Kunst
  • Beratung, z. B. Online-Marketing oder Coaching
  • Therapie
  • Übersetzungen
  • Architektur

Im Gegensatz zu Angestellten arbeiten Freiberufler nicht im Rahmen eines festen Arbeitsverhältnisses für einen Arbeitgeber oder in ihrem Unternehmen, sondern bieten ihre Dienstleistungen als unabhängige Fachkräfte an.

Freiberufler haben oft die Flexibilität, ihre Arbeitszeiten und Projekte selbst zu bestimmen. Sie können entweder direkt mit Kunden zusammenarbeiten oder über Agenturen und Vermittlungsplattformen Aufträge erhalten. Die Tätigkeit als Freiberufler erfordert in der Regel ein hohes Maß an Fachwissen und Selbstorganisation sowie die Fähigkeit, sich selbst zu vermarkten und Kundenbeziehungen aufzubauen.

Vorteile und Nachteile der Selbstständigkeit allgemein

Generell sind vor allem folgende Vorteile und Nachteile in der Selbstständigkeit gegeben – ob als Freiberufler oder Unternehmer:in. Ihr findet auch Tipps, wie ihr vorsorgen könnt.

Vorteile Selbstständigkeit

  • Unabhängigkeit: Selbstständige haben die Freiheit, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und ihren Zeitplan zu gestalten. Als Freiberufler haben wir meist noch eine stärkere Kontrolle über unsere Arbeit und können Entscheidungen unabhängig treffen, ohne auf Vorgesetzte oder Unternehmensrichtlinien Rücksicht nehmen zu müssen. Sie müssen nur im Einklang mit den Kundenbedürfnissen und eventuellen Briefings stehen. Weniger „musst“, mehr „darfst“.
  • Vielfältige Projekte: Vor allem Freiberufler können an verschiedenen Projekten arbeiten und sich in unterschiedlichen Branchen engagieren, was zu einer abwechslungsreichen beruflichen Erfahrung führt.
  • Kreativität: Selbstständige können ihre kreativen Ideen umsetzen und innovative Lösungen entwickeln, ohne sich an starre Vorschriften halten zu müssen – oder Angst zu haben, auf Ablehnung zu stoßen. Die Barrieren sind viel geringer, die Freiheit zum Ausprobieren und „Einfach machen“ ist größer.
  • Potenziell höhere Einkommen: Selbstständige haben die Möglichkeit, ihr Einkommen durch den Erfolg ihres Unternehmens zu steigern – im Vergleich zu einem festen Gehalt in einem Angestelltenverhältnis. Außerdem können vor allem Freiberufler:innen (phasenweise) mehr verdienen, beispielsweise durch die Erhöhung ihrer Projekte und Stundenzahl oder das Anbieten hochwertiger Dienstleistungen.
  • Flexibilität: Selbstständige können ihre Arbeitszeiten flexibel gestalten und haben oft die Möglichkeit, von zu Hause oder unterwegs zu arbeiten – ohne sich die Erlaubnis zu holen oder sich zu rechtfertigen. Natürlich muss das von Anfang an mit dem Kundenkreis geklärt sein.
  • Eigenes Unternehmen aufbauen: Große Visionen umsetzen? Das geht als Selbstständiger wunderbar!

Nachteile Selbstständigkeit

  • Finanzielles Risiko: Selbstständige tragen das finanzielle Risiko ihres Unternehmens (allein) und sind möglicherweise nicht abgesichert, wenn das Geschäft nicht erfolgreich ist. Gesellschaftsformen wie eine GmbH schützen genau davor – und eine gute (Finanz-)Planung, die solche Worst Cases einschließt.
  • Arbeitsbelastung und hohe Verantwortung: Selbstständige müssen oft viele Stunden arbeiten und tragen die Verantwortung für alle Aspekte ihres Unternehmens. Das kann Druck bedeuten, vor allem, wenn ein Team bezahlt werden muss.
  • Unsicherheit: Die Einkommens- und Auftragslage kann unbeständig sein, insbesondere in den Anfangsphasen der Selbstständigkeit. Das sollte möglichst in die Planung einbezogen werden, gerade als Freiberufler: Wie viel sollte ich im Monat möglichst verdienen, um phasenweise ohne Aufträge auszukommen? Gibt es Sommer- oder Winterlöcher? Wie kann ich diese Zeit gut überbrücken?
  • Mangel an sozialer Absicherung: Selbstständige müssen sich selbst versichern und in die Rentenkassen einzahlen. Das ist oft nicht nur teuer, sondern hat auch Nachteile – das Krankengeld fällt z. B. (meist) weg, zumindest als Freiberufler:in. Versicherungen helfen.
  • Isolation: Selbstständige arbeiten oft alleine oder mit einem kleinen Team, was zu sozialer Isolation führen kann. Außer man ist introvertiert. Da empfinden viele diese Art zu arbeiten als eher bereichernd – und entlastend. Ist das nicht so, für den gibt es mittlerweile in allen Städten Coworking-Spaces: Gemeinschaftsbüros zum (tageweise) einmieten.
  • Verwaltungsaufwand: Als Unternehmer:in und Freiberufler:in müssen wir uns um administrative Aufgaben wie Buchhaltung, Rechnungsstellung und Vertragsmanagement kümmern, was zusätzlichen Zeitaufwand bedeutet – und Nerven! Ich sag nur: Zum Glück gibt es Steuerberatungsunternehmen.
  • Konkurrenzdruck: Der Markt für freiberufliche Dienstleistungen kann stark umkämpft sein – wichtig ist es, sich von anderen Anbietern und Anbieterinnen abzuheben. Marktrecherche, USP schärfen und Netzwerke helfen!

Vorteile und Nachteile Selbstständigkeit als Tabelle: Übersicht

Vorteile Nachteile
Unabhängigkeit & Freiheit Finanzielles Risiko
Spannende (selbst gewählte) Projekte Arbeitsbelastung und Verantwortung
Kreativität ausleben Unsicherheit – schnell und flexibel auf Veränderungen reagieren
Potentiell höheres Einkommen Mangel an sozialer Absicherung (z. B. Krankengeld, Urlaubsgeld, Elterngeld)
Flexibilität Isolation
Eigenes Unternehmen aufbauen/Visionen verfolgen Verwaltungsaufwand, z. B. Buchhaltung
  Konkurrenzdruck & Wettbewerb (Akquise)

3. Vorteile und Nachteile, sich selbstständig zu machen – So findest du heraus, was das Richtige für dich ist

Du überlegst schon länger, ob du dich selbstständig machen solltest? In dir ist ein Wunsch, du hast Ideen, aber da sind auch Zweifel, vielleicht sogar Angst? Du fragst dich, ob es wirklich das richtige ist, ob deine Ideen ausreichen oder du nur einem Traum hinterherrennst, der gar nicht deiner ist; nicht zu dir passt?

Wie ich schon gesagt habe: Wenn da ein tiefer Wunsch ist, empfehle ich es, auszuprobieren. Mehr als Fallen können wir nicht. Und nach dem Fallen, können wir aufstehen. Eine (Finanz-) Planung sichert dich da ab, genau wie das richtige (Growth) Mindset. So abgedroschen es klingen mag: Wir haben nur ein Leben. Und die Entscheidung, für deine Träume loszugehen, musst du allein treffen.

Manchmal kann es aber tatsächlich sein, dass wir uns von Freundinnen und Freunden, Fernsehe-Dokus oder vor allem den sozialen Medien so sehr vom Selbstständigen-Traum und seinen Marketingbotschaften „überreden“ lassen, dass wir völlig den Blick für die Realität verlieren. Wir wollen genau so ein Leben. Am besten ohne die Arbeit dahinter, und ohne genau zu wissen, was das eigentlich für uns bedeutet, wie wir dorthin kommen und was WIR im Kern wollen. Dabei muss man die Selbstständigkeit wollen – und das Leben drumherum mit all seinen Vorteilen und Nachteilen.

Deshalb macht es Sinn, nicht blind loszulaufen, alles zu kündigen, sondern zu prüfen: Was will ich? Und dann: Wie kann ich das erreichen?

Manchmal ist ein guter Start in die Selbstständigkeit beispielsweise auch, zweigleisig zu fahren: Du stufst deine Stundenanzahl im Haupt-Job runter und baust nebenbei dein Unternehmen auf, schreibst als Freiberuflerin oder bietest deine Dienstleistungen an.

Was willst du im Grunde deines Herzens?

Nimm dir Zeit, einen gemütlichen Raum, an dem du dich wohlfühlst und kreuze an, welche oben genannten Vorteile ein positives Gefühl bei dir auslösen. Und damit meine ich: das erste Bauchgefühl, das sich anfühlt wie ein Lächeln (oder nichts auslöst, weil Selbstständigkeit im Grunde gar nicht dein Traum ist). Nicht die kritische Stimme, die direkt im Anschluss erscheint und meint, das sei eh nicht möglich.

Schreibe auf, was diese Vorteile mit dir machen und warum du diese unbedingt in dein Leben lassen möchtest oder warum/wann du dabei nichts fühlst. Da siehst du schon ganz gut, was du dir wünschst und was eben nicht.

Dazu passt auch: Was fehlt dir gerade? Warum bietet dir deine derzeitige Situation dies nicht, oder nicht genug? Kannst du dir das auch in der derzeitigen Situationen ermöglichen durch einige (kleine) Veränderungen?

Fühle dich so richtig rein.

Was macht die Vorstellung mit dir, selbstständig zu sein, wenn du nur die Vorteile anschaust?

Was könnte herausfordernd sein?

Erst dann schaust du dir die Nachteile an und evaluierst, wie du diesen begegnen könntest. Welche Möglichkeiten gäbe es, diese zu relativieren oder zu minimieren?

Denn am Ende geht´s genau darum: Den schwierigen Seiten der Selbstständigkeit zu begegnen. Ausschließlich Vorteile hat kaum eine Entscheidung. Abhalten braucht dich das aber nicht.

Gibt es ein rotes Tuch?

Vielleicht ist es dir schon aufgefallen: Spürst du bei einem Nachteil starke Angst? Gibt es da einen Punkt, bei dem du Schwarz siehst? Der dazu führen könnte, dass für dich die Nachteile stärker sind als die Vorteile. Wo du weißt, dass du es damit wirklich schwer haben würdest?

Dann solltest du auf diesen Punkt ein besonderes Augenmerk legen und intensiver hinschauen. Gäbe es eine Möglichkeit für dich, dem zu begegnen. Oder führt das dazu, dass die Selbstständigkeit vielleicht (noch) nicht die richtige Idee ist. Siehst du eine Zwischenlösung?

Dich packen die Vorteile total?

Super, dann weißt du, welchen Weg du einschlagen solltest. Trotzdem ist es wichtig, dass wir uns gründlich auf die Herausforderungen vorbereiten. Eine solide Geschäftsplanung, finanzielle Vorsorge und die Entwicklung eines starken Netzwerks sind dabei Gold wert. 

Coaching und Mentoring kann wertvoll sein – vor allem, um blinde Flecken zu erkennen, Entscheidungen zu sortieren und strukturiert zu planen (z. B. Positionierung, Strategie, Marketing).

4. Erfahrungsberichte: Vorteile und Nachteile Selbstständigkeit

Im Folgenden findest du Erfahrungsberichte aus unterschiedlichen Perspektiven.

Freiberufliche Autorin Sina – und GbR-Gründerin

„Ehrlich gesagt dachte ich mein ganzes Leben lang: Man muss halt arbeiten, angestellt im Unternehmen. 40 Stunden plus Überstunden. Anpassen, unterordnen. So läuft das. Im Kern wollte ich schon immer etwas anderes: flexibel leben, kreativ arbeiten, reisen. Dazu bin ich introvertiert und hochsensibel – auch das passt nicht zu den meisten, herkömmlichen Unternehmen. Zumindest vor zehn Jahren nicht.

Dass mein Papa selbstständig ist, habe ich so gar nicht gesehen. Er hatte zwar ein Unternehmen, ging aber trotzdem jeden Tag von morgens bis abends ins Büro. Dass es da noch etwas anderes für mich geben könnte, die Freiberuflichkeit, hatte ich nie auf dem Schirm.

Also habe ich erstmal eine Verlagsausbildung gemacht, Journalismus und Medien Management studiert und bin danach, klar, arbeiten gegangen. In Festanstellung. Der erste Job im Marketing war krass, der zweite als Content Managerin richtig toll. Denn der kam der New Work Mentalität schon ziemlich nah. Es gab Gleitzeit, Überstundenabbau, Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld, Home-Office – eigentlich alles.

Trotzdem spürte ich: Ich brauche mehr. Mehr Flexibilität, mehr Reisen, mehr Schreiben und das am liebsten eigenverantwortlich. Der erste Schritt: Ich gründete mit meiner besten Freundin den Reiseblog Ferndurst, und kurze Zeit später gleich eine GbR, neben der Festanstellung. Endlich konnte ich meinen eigenen Ideen nachgehen. Ich reduzierte meine Arbeitszeit und nutzte meinen freien Freitag fürs Reisen und Schreiben.

2015 reiste ich das erste Mal nach Thailand – diese Reise veränderte alles

Zurück in Deutschland kündigte ich nach langem Hin- und Her meinen Job, obwohl ich befördert werden sollte. Und ging auf Weltreise.

Das war 2017. Eine intensive Zeit. Eine Zeit, in der meine Träume und Wünsche Platz hatten. Mir wurde bewusster, was mich erfüllt, was mir gut tut und was nicht, wie und was ich arbeiten wollte – und wie eben nicht.

Im Anschluss machte ich mich als Autorin und Content Managerin selbstständig, veröffentlichte zwei Bücher über Thailand und professionalisierte meinen bis dahin schon erfolgreichen Reiseblog. Und war – trotz Auf und Abs – tief erfüllt.

Die Nachteile der Selbstständigkeit habe ich vor allem 2020 zu spüren bekommen

Pandemie. Gleichzeitig wurde ich Mama. Ich bekam kein Elterngeld, meine Buch- und Reiseblog-Einnahmen brachen von Heute auf Morgen weg. Geld, mit dem ich natürlich geplant hatte. Trotzdem war die Selbstständigkeit für mich alternativlos, ist sie noch immer. Ich weiß bis jetzt, tief im Herzen, dass dieser Weg der richtige für mich ist.

Also switchte ich schnell um, suchte mir Aufträge als freie Autorin und Content Managerin und legte hier erstmal meinen Schwerpunkt. Ich begann bereits 3 Monate nach der Geburt wieder zu arbeiten, in kleinen Dosen. All das war okay für mich.

Mittlerweile splitte ich meine Zeit zu 50 Prozent auf: 50 Prozent externe Aufträge, 50 Prozent mein eigenes Business aus Reiseblog (GbR) und Bücherschreiben. Das fühlt sich richtig an. Auch wenn ich kein Krankengeld erhalte, keinen bezahlten Urlaub und mein Kind ständig krank ist. Aber ganz ehrlich: Das macht für mich die Unfreiheit einer Festanstellung nicht wett.

Doch so kann ich Reisen und Arbeiten weiter verbinden, auch mal am Wochenende oder abends arbeiten (ohne mich zu rechtfertigen), kann mir inspirierende Projekte aussuchen, mein eigenen Ideen und Träume jederzeit angehen und gleichzeitig mit Auftraggeber:innen arbeiten, die Vereinbarkeit möglich machen. Auch für Freiberuflerinnen wie mich. Dafür bin ich sehr dankbar!“

Flexibilität

Es gibt auch Beispiele, wo es nach der Selbstständigkeit wieder zurück in die Festanstellung ging. Manchmal auch zeitweise.

Event-Managerin Carlotta, z. B., ließ sich während der Pandemie, als alle Einnahmen wegbrachen, für ein Jahr fest anstellen. Und zwar in einer für sie neuen Branche: Regie. „Das war super. Ich hatte Einnahmen, und konnte gleichzeitig in eine neue Welt eintauchen, meine Skills erweitern. Trotzdem fehlte mir die Freiheit. Als die Events wieder kamen, machte ich mich erneut selbstständig. Dank der neuen Fähigkeiten und Erfahrungen konnte ich spannendere Projekte akquirieren und ein größeres Paket anbieten, also vorher.“ Win-Win also.

Angestellt, Freelancer und dann GmbH!

Und dann ist da noch Gustav. Er war zunächst festangestellt, dann freiberuflich beratend tätig und gründete einige Jahre später mit zwei weiteren Unternehmern eine GmbH, in der er als Geschäftsführer angestellt ist. Mit Urlaubstagen und Krankengeld und allem Drum und Dran. „Für mich die perfekte Lösung – die Vorteile der Selbstständigkeit und gleichzeitig auch Sicherheit“, sagt er.

Diese Beispiele zeigen: Es gibt nie nur Entweder-Oder

Alles ist eine Phase, alles ist im Fluss. Oder wie heißt es so schön, nichts ist so beständig wie die Veränderung.

5. Fazit: Selbstständigkeit ist kein „Entweder-oder“ – sondern ein persönliches Modell

Am Ende ist Selbstständigkeit weder die reine Freiheit noch der sichere Stress – sondern ein Modell, das zu manchen Menschen (und Lebensphasen) sehr gut passt und zu anderen weniger. Entscheidend ist nicht der Mythos, sondern dein realistischer Blick darauf, wie du arbeiten und leben willst – inklusive Verantwortung, Unsicherheit und Planung.

Wenn du bei den Vorteilen sofort Energie spürst, lohnt es sich, das Thema nicht wegzuschieben, sondern klug anzugehen: mit Testläufen, Übergangsmodellen (z. B. nebenberuflich starten), finanzieller Vorsorge und einem stabilen Netzwerk. Und wenn dich bestimmte Nachteile stark stressen, ist das kein „Scheitern“, sondern ein wertvoller Hinweis darauf, welche Bedingungen du brauchst, damit Selbstständigkeit für dich funktionieren kann.

Es gibt kein richtig oder falsch – nur passend oder unpassend. Und genau deshalb ist der beste nächste Schritt oft nicht „alles kündigen“, sondern: bewusst prüfen, planen und Schritt für Schritt herausfinden, was wirklich zu dir passt.

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